Tag 52-58: Tibet Teil 1

17.9.: Platzende Plätzchen
Nachdem wir gestern um halb neun Abends gestartet waren, verbrachten wir heute den ganzen Tag im Zug. Nur einmal bin ich kurz ausgestiegen, um Äpfel bei einem Händler am Bahnsteig zu kaufen. Ansonsten war heute nicht so viel los. Während der Fahrt konnte ich neben dem Genießen des Ausblicks noch etwas am PC tippen. Heute sollte es erstmal nur auf schon älteren Abschnitten in Richtung Golmud gehen. Dort beginnt ja erst der neu erbaute Abschnitt. Geplante Ankunft war irgendwann nach Mitternacht. Aufgeschreckt von mehreren lauten Knalls habe ich mich mal auf die Suche gemacht, woher das kam. Es waren die Verpackungen der Kekse, die explodiert waren. So war der Druckunterschied schon unterhalb von 3000 m so groß, dass die Verpackung nicht mehr mitgespielt hat. Die Chips von Robert waren dem Platzen schon nahe, wollten aber noch nicht und wir haben sie zur besseren Kontrolle auf dem Tisch stehen gelassen.

18.9.: Endlich in Lhasa angekommen
Peng! So sind alle im Abteil gegen halb drei aufgeschreckt, denn die Tüte Chips war endlich explodiert. Nachdem dieses Experiment abgeschlossen war, schliefen die anderen weiter, ich jedoch habe gewartet bis wir endlich in Golmud angekommen sind, um die Koordinaten zu bekommen. Da der Zug Verspätung hatte (oder ich einen alten Plan) war ich noch lange wach. Am Morgen dann konnten wir endlich den Ausblick auf die neue Strecke des Tibet-Express genießen. Auf der Fahrt selber gibt es eigentlich keinen speziellen Punkt, der interessant ist. Es ist vielmehr die gesamte Fahrt und die Landschaft in über 4000 m Höhe. Blöd ist nur, dass sich die Fenster wegen dem innen zugeführten Sauerstoff nicht öffnen lassen. Für die Extremfälle werden auch Headsets mit direkter Sauserstoffzufuhr ausgeteilt. Irgendwann gegen Mittag haben wir dann einen längeren Stopp auf über 4700 m gemacht. Als ich dort mal kurz über den Bahnsteig gerannt bin, hatte ich die dünne Luft schon gemerkt, war ich ja noch nicht akklimatisiert. Am Abend sind wir dann in Lhasa angekommen und der Verkehr war sehr erholsam. Hier war ja eigentlich nix los, wenn man aus einer Großstadt kommt. Dann ging es ins Hotel, das wir gebucht hatten. Das waren dann halt die Doppelzimmer in dem Youth Hostel. Aber die waren soweit in Ordnung.

19.9.: Potala Palast und Jokhang Tempel
Heute sollte uns unser Führer um halb elf abholen, um mit uns den Potala Palast zu besichtigen. Doch wir haben uns mit der Gruppe schon viel früher getroffen, um schon am ersten Tag ohne unseren etwas planlos wirkenden Guide, eine 19-jährige Tibeterin, allein durch die Straßen zu gehen. Solange wir keine Free Tibet-Fahne herauszogen sollte es auch kein Problem sein. Und so war es auch. Uns hat keiner gefragt, wo unser Guide ist, ohne den man ja angeblich nix machen kann. Scheint aber in Lhasa nicht so zu sein. Vom Potala Palast war ich dann doch etwas enttäuscht. So sieht man ihn erhoben über der Stadt aufragen. Ich dachte, er hätte mindestens eine große Empfangshalle. Aber der Raum, in dem der Dalai Lama früher Gäste empfing ist doch recht aufgeräumt. Nach dem Mittagessen, das typisch tibetisch gewesen ist, ging es in den Jokhang Tempel. Der war auch schön anzusehen, doch ich habe schnell festgestellt, dass ich mit weiten Landschaften auch hier mehr anfangen kann, als mit Museen und Tempel. Gehört hier aber auch auf jeden Fall dazu.

20.9.: Wandern am Namtso Lake
Heute besuchten wir den Namtso Lake, einen der drei heiligen Seen in Tibet. Mit unsrem Mini-Van. Mit einem Speed-Permit, das kontrolliert, ob man zu schnell fährt, ging es dann entlang der Eisenbahnstrecke in Richtung Norden. Nach einer doch recht langen Bergauffahrt, konnte ich endlich schneebedeckte Berge sehen. Kurz darauf erreichten wir den Pass auf 5200 m. War ganz schön windig da. Im Kloeingang lag sogar noch Altschnee. Unser als Trek angepriesener Ausflug wäre ein Spaziergang über 30 km entlang der Straße gewesen. Irre, das als so was zu verkaufen. Aber wir sind dann eigenmächtig einfach mal quer über die Wiese gelaufen, ohne zu wissen, wohin es ging. Während dann manche an zu breiten Gräben gescheitert sind und den gleichen Weg zurück mussten, trafen wir unterwegs ein paar Kinder, deren Familie uns dann in ihr Zelt eingeladen hatte. So gab es dort leichten Buttertee und Yak-Darm zu Essen. Super Kombination. Als wir dann am See selbst angekommen waren, ging es einigen unserer Gruppe nicht mehr so gut, was wohl etwas mit der Höhe von 4700 m zusammengehangen hat, und wir konnten nicht so lange wie gedacht am See verweilen. Für einen kurzen Spaziergang auf einen Aussichtshügel hat es noch gereicht und ich konnte meinen Blick über den türkisfarbenen See schweifen lassen. Nachdem wir am Abend zurück in Damshung und rund 500 m tiefer waren, besserte sich der Gesundheitszustand der angeschlagenen und es gab Nudeln. Lecker.

21.9.: Tibetisches Drama – ein Drama!
Heute standen eigentlich auf der Rückfahrt nach Lhasa heiße Quellen an. Da dort aber gleich nebenan eine neue Fabrik eröffnet hat, sollen die paar heißen Wasserteile dann an Charme verloren haben. In Lhasa selbst stand nichts auf dem Programm und ich musste mich darum kümmern, wie ich am Ende meiner Reise aus Lhasa rauskomme. Flug war mir zu teuer gewesen und außerdem mag ich Zugfahrten mit mehr als 24 Stunden. Und so entschied ich mich, auch wieder mit dem Zug zurückzufahren. Am Abend hatten wir dann noch ein Tibetisches Drama gebucht. Das war es dann auch. Es war eine typische Touri-Veranstaltung. Natürlich waren auch Deutsche dort und Franzosen. Zum Glück wurde ich nicht als Deutscher hier erkannt und angesprochen. Beim Buffet habe ich dann mal so richtig zugeschlagen, schließlich musste ich den Preis ja irgendwie rechtfertigen. Die Aufführung selbst war eher ein Witz gewesen, wo irgendwelche Kellner sich ein Tuch überwarfen, an einer Klampfe zupften und (ich nehme mal an) der Koch dazu sangen. Dann haben die Bedienungen getanzt und der Höhepunkt war ein daher gehoppeltes Yak. Na spitze. Wenigstens war ich satt.

22.9.: Flucht vor aufdringlichen Verkäufern
Heute ging es zum nächsten heiligen See, dem Yamdroktso Lake. Auf dem Weg dorthin sollten wir auch wieder über einen Pass mit mehr als 5000 m Höhe erreichen. Oben angekommen kamen noch bevor der Fahrer den Motor ausmachen konnte eine Horde Tibeter angerannt, die uns allen möglichen und unmöglichen Kram andrehen wollten. Die haben an den Türen geklopft und an den Scheiben gekratzt. Unsere Einhellige Meinung war: Scheiß auf Fotos und nix wie weg. Also ging es unverzüglich weiter, zum Erstaunen unserer einheimischen Begleiter. Der nächste Stopp war dann viel gemütlicher, wir hielten nämlich bei einem einsamen Bauern und seinem Yak. Er bot Yak-Reiten an. Was soviel hieß, er hielt das Yak, man stieg drauf und dann drückte jemand auf den Foto. Hat auch prima geklappt, wie ihr sicher schon gesehen habt.

23.9.: Flucht vor dem Essen
Heute machten wir in Shigatse einen Zwischenstopp bei einem Kloster. Leider war das Fotografieren und Filmen verboten – außer man kaufte sich eine Lizenz für mehr als 150 Euro – pro Tempel. Und es gab vier hiervon. Mittagessen wollten wir dann, wie schon oftmals zuvor, in einem kleinen Restaurant an der Straße. Uns kam beim Bestellen schon komisch vor, dass die Bedienung gleich nach nebenan lief. Wir dachten, sie kochen halt gemeinsam mit dem Nachbarrestaurant, was durchaus mal vorkommen kann. Doch nachdem wir nach 35 Minuten noch immer unser doch recht einfaches Essen nicht hatten wollten wir gehen. Doch urplötzlich kam auch schon die Dame mit dem Tablett. Doch das was da drauf war, war alles andere als das, was wir bestellt hatten. Wir hatten gebratenen Nudeln geordert und keine Suppe. Noch dazu schien der Salat schon mehr als 5 Tage alt gewesen zu sein. Also verließen wir ohne zu zahlen das Restaurant. Zwar wollten sie die Polizei holen und versuchten das auch, doch das ließ die kalt und wir gingen in ein anderes Restaurant. Am Abend waren wir dann auch in Lhatse angekommen, wo unser Hotel seine besten Zeiten wohl vor ca. 30 Jahren hatte.

Teil 2 von Tibet – hier geht’s weiter…

Fotos hierzu findet ihr im Album Tibet.