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Japan – Land der aufgehenden Sonne

Dank eines überaus günstigen Flugs sollte es dieses Jahr nach Japan zur Kirschblüte gehen. Wichtig, um günstig mit dem Zug durch Japan zu fahren, ist ein Japan Rail Pass. Den muss man immer außerhalb Japans kaufen, wenngleich zur Zeit eine Testphase lief, um auch direkt bei Ankunft diesen zu kaufen. Mit ihm kann man in fast allen Hochgeschwindigkeitszügen, den sog. Shinkansen, kostenlos fahren, sofern man sich vorher eine Reservierung geholt hat. Um unseren eng gesteckten Zeitplan einhalten zu können, führte uns unser erster Weg direkt in ein Japan Railways Office, um eben jene Plätze zu reservieren. Unser erster Schwung umfasste pro Person sieben Fahrten. Damit ging es dann ins Hostel.

Tokyo

Nach einer kurzen Nacht starteten wir bei regnerischem Wetter in Richtung Asakusa, um dort den XXX Tempel anzusehen. An dem einzig blühenden Kirschbaum sammelten sich die Leute. Im Anschluss versuchten wir unser Glück im Ueno Park. Dort warteten die Japaner auf allerlei Plastik-Folien, Kartons und Schlafsäcken auf die irgendwann eintretende Kirschblüte. Dass das nicht mehr an diesem Tag geschehen würde war klar. Ausgerüstet warteten Sie mit Laptops und Essen bei kalten Temperaturen und leichtem Regen beharrlich.

Am Nachmittag führte unser Weg nach Akihabara, dem Videospiel- und Technik-Stadtteil. Gerade die Auswahl an allerlei Foto-Zubehör aller Marken in den einschlägigen Stores fand ich beeindruckend. Nach Einbruch der Dunkelheit gingen wir zur vermutlich belebtesten Kreuzung der Welt, der Shibuya Crossing. Dort queren bei grün hunderte von Leuten gleichzeitig die Straße. Von der Aussichtsplattform in 202 m Höhe des Rathauses von Tokyo, dem Tokyo Metropolitan Government Offices, genossen wir den nächtlichen Blick über Tokyo.

Fuji

Heute Morgen ging es mit unserer ersten Zugfahrt nach Kawaguchiko, dem Ort am Fuße des Fuji. Das letzte Stück stimmt die Besucher mit einem innen wie außen total auf Mount Fuji gestylt ein – von Außenlackierung über Markierungen am Bahnsteig bis hin zu Sitzbezügen. Nach einer Fahrt durch teilweise schneebedeckte Felder liefen wir zu unserem Hostel, immer mit Blick auf den durch die dichten Wolken spitzenden Berg. Mit dem Rad ging es zum Arakura Sengen Schrein. Nach 400 Stufen erreichten wir die Chureito Pagoda. Während die Pagode von der Sonne angestrahlt wurde, zogen die Wolken auf und der Mt. Fuji zeigte sich erhaben dahinter. Mit der Mt. Kachi Kachi Ropeway ging es auf den Mount Tenjo. Dort ist ein Schrein mit Hasen, weshalb überall Hasen-Figuren aufgestellt waren, und es bot sich ein wunderbarer Ausblick über den See von Kawaguchiko.

Kyoto

Über Tokyo ging es in Richtung Süden nach Kyoto. Dort waren die Betten in der Unterkunft mit normalen Balken und Brettern möglichst effizient in den Raum integriert. Am Morgen fuhren wir mit dem Bus in den Arashiyama-Bambushain. Die ersten Sonnenstrahlen brachen durch die mehreren Meter hohen Bambusse. Im Anschluss besuchten wir den Adashino Nenbutsu-ji Tempel. Dort stehen Seteinbildnisse, die die sterblichen Überreste mittelloser Menschen darstellen.

Eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten ist der Kinkaku-ji Tempel. Er ist komplett mit Blattgold überzogen und Menschenmassen drängen sich um den See um die Spiegelung darin festzuhalten. Ursprünglich stammt er aus dem Jahr 1397 und diente als Ruhesitz eines Shoguns. Unser Mittagessen haben wir durch Ausprobieren uns unbekannter Speisen auf dem Nishiki-Markt zu uns genommen. Es gibt zwar viel Interessantes zu entdecken, doch sind schon sehr viele Touristen dort anzutreffen.

Ein Höhepunkt war der Fushimi Inari-Taisha Schrein. Scheinbar endlose Alleen aus n torii (Schreintoren) winden sich auf 4 km den Berg Inari hoch. Die einzelnen Tore sind Spenden von Privatpersonen oder Unternehmen. Er stammt aus dem 7. Jahrhundert und hat mehrere Schreine.

Vor der Weiterfahrt besuchten wir früh morgens noch den Philosophenweg. Das ist ein Weg entlang eines kleinen, mit Kirschbäumen gesäumten Kanals. Leider war die Hauptblütezeit noch nicht ganz angebrochen, so dass noch viele Knospen geschlossen waren. Der Philosophenweg führt direkt auf den Ginkaku-ji, den „Tempel des Silbernen Pavillons“, zu. Mit seinem Zen-Garten und dem See ist der Tempel aus dem Jahr 1482 eines der Wahrzeichen Kyotos.

Himeji und Hiroshima

Auf dem Weg nach Hiroshima legten wir einen Zwischenstopp in Himeji ein. Nachdem eines der wenigen Schließfächer mit unseren Rucksäcken befüllt war, liefen wir zur schönsten Burg Japans, die Himeji-jō. Übersetzt bedeutet ihr Name „Burg des weißen Reihers“ und besteht aus einem fünfstöckigen Turm samt Außentürmen, stammt aus dem Jahr 1533 und ist von einer Verteidigungsmauer umgeben. Im Park saßen viele Leute, vornehmlich Japaner, die die Zeit der Kirschblüte beim Picknick genossen. Nach dem Besuch stiegen wir wieder in den Shinkansen und fuhren weiter.

Angekommen in Hiroshima war unser erster Stopp der Atombombendom. Er ist wohl das intensivste Mahnmal, was Atomwaffen anrichten können. Es war früher der Sitz der Industrie- und Handelskammer bevor 1945 die Atombombe ca. 600 m darüber explodierte. Doch auch neben den weiteren Monumenten wie der Flamme des Friedens, haben wir vor allem die Zeit auf Miyajima genossen. Das ist eine kleine vorgelagerte Insel, auf der der Itsukushima-jinja Tempel liegt und man per Fähre erreichen kann. Das Wahrzeichen ist das Floating torii aus 1168, durch das früher normale Bürger fahren mussten, um den Schrein zu besuchen. Der Himmel hatte seine Pforten an diesem Tag recht weit offen. Es regnete viel und wir mussten öfters Pausen unter einer Pagode oder Tempelgang einlegen.

Mit dem Nachtzug zurück nach Tokio

Um unsere Kosten im vernünftigen Rahmen zu halten, haben wir für die Rückfahrt von Hiroshima nach Tokyo eine Nachtfahrt gebucht, die im Preis des Rail Pass inklusive war. Nachtzug heißt, dass es auf die ganze Länge eines Waggons oben und unten eine Liegefläche, die nur durch kleine Blenden auf Höhe des Kopfes getrennt waren.

In Tokio besuchten wir zunächst den Tokyo Tower. Im Anschluss ging es zu den Sony Archives. Das ist ein kleines Museum, in dem Sony die Meilensteine ihrer Historie ausstellen. Danach ging es zu Nikon Hauptsitz, wo es eine Ausstellung zum 100-jährigen Firmenjubiläum gibt. Dort werden alle Kameras seit Bestehen sowie einige Prototypen ausgestellt. Die beiden Besuche zeigten einen Einblick in die beeindruckende Geschichte Japanischer Technologie.

Wir gingen erneut in den Ueno Park, wo noch mehr Japaner die blühenden Kirschbäume genossen. Es waren mittlerweile mehr Knospen geöffnet und so erstrahlte noch mehr in rosa-farbenen Blüten. Letzte Station war der Tokyo Sky Tree. Das ist der weltweit höchste freistehende Fernseturm mit 634 m. Aussichtsplattformen sind auf 350 und 450 m Höhe angebracht und bieten bei passendem Wetter phantastische Blicke über die Metropol-Region rund um Tokio. Nach einigem Warten zogen die Wolken auf und wir konnten den Sonnenuntergang samt Mount Fuji bestaunen.

Als finaler Höhepunkt des Tages stand unsere erste Nacht in einem Capsule-Hotel bevor. Man sieht ja oft viele moderne mit Flatscreen, LED-Beleuchtung und weiterem Schnickschnack – doch unseres war noch eines, das wir farblich den 80er-Jahren zuordneten. Auch die Technik mit tiefen Druckknöpfen und einem Münzeinwurf für einen 20 cm Röhrenfernseher stachen hervor. Es gab auch nur ein gemeinsames Bad im Keller, wo aber auch das Raucherkabuff war. Wenn hier einer rauchte, zog es wegen fehlender Türen durch alle Räume und wir konnten es  selbst im dritten Stock noch riechen. Immerhin wurde ein modisches Schlafgewand bereitgestellt.

Nikkō

Ein letzter Ausflug führte uns nach Nikkō, wo viele spektakuläre Schreine sich wunderschön in eine Landschaft aus Bergen und Wäldern einfügen. Unser persönliches Ziel war der Heilige Stall Shinkyusha. Auf ihm ist das Relief der drei Affen abgebildet, die die drei Prinzipien des Tendai-Buddhismus veranschaulichen: Nichts Böses hören, nicht Böses sagen, nichts Böses sehen“. Wir haben noch viele Schreine und Tempel angesehen, ehe uns der Zug wieder zurück brachte.

Auf der Rückfahrt nach Tokyo hatte ich gesehen, dass im Tokyo Dome ein Konzert stattfindet. Es war das 25-jährige Jubiläumskonzert von L’Arc-en-Ciel. Nach einem kurzen Check auf Youtube, ob mir das gefällt, war nach zwei Liedern eine positive Meinung gefunden… Lest die ganze Story hier im Bericht über das Konzert!

Am letzten Tag stand noch ein Besuch von Shibuya bevor. Dort haben wir das Glückspiel Pachinko ausprobiert. Dabei muss ein Automat mit Kugeln gefüttert werden, die in irgendwelchen Löchern landen müssen, um so mehr Kugeln aus dem Automaten zu locken als man reingesteckt hat. Danach haben wir noch das rege Treiben auf der wohl belebtesten Kreuzung der Welt beobachtet. Dabei stürmen bei „grün“ von allen Seiten hunderte von Menschen in die Mitte, um auf die andere Seite zu gelangen. Neben den wirklichen Fußgängern findet man auch allerhand andere Mitmenschen dort vor: Selfie-Junkies oder auch Hochzeitspaare, die inmitten der Masse sich fotografieren lassen.

Am Abend und nach zehn aufregenden Tagen im Land der aufgehenden Sonne mussten wir uns verabschieden und verlassen Japan mit reichlich spannenden Eindrücken. Für die Kirschblüte waren wir ein bisschen früh dran bzw. es war noch nicht warm genug gewesen. Das ist bei einer Buchung im Herbst zuvor natürlich wie eine Wette, ob man den richtigen Zeitraum erwischt. Man hatte schon viel gesehen, doch an manchen Orten wäre die Haupt-Blütezeit etwas später gewesen. Das hat unserer Begeisterung jedoch keinen Abbruch getan.

Tipps für die Japan-Reise

  • Anweisungen befolgen, die einem auf einer Vielzahl an Schildern begegnen.
  • Die Höflichkeit und Ordnung des Landes annehmen, um z.B. in einer Schlange zu warten oder keine anderen zu belästigen.
  • Gerade zur Kirschblüte reisen auch die Japaner viel und wollen sich das Spektakel nicht entgehen lassen.
  • Tüten mitnehmen, da es oft keine Mülleimer gibt.

Tipps zum Fotografieren

  • Sich darauf vorbereiten, dass man nicht allein ist.
  • Timing ist wichtig, um Sehenswertes nicht mit einer Busladung an Menschen davor fotografieren zu müssen.

 

Hinweis: Kalender „Japan 2018“

Wer nun Interesse an diesem Land gefunden hat, dem kann ich meinen Wandkalender für 2018 ans Herz legen. Hier klicken und ansehen!

Farbenfrohes Indien 2012

 

Warum Indien? Die erste längere Reise nach meiner Weltreise sollte in eine noch unbekannte Region gehen. Ohne allzu große Vorüberlegungen ließ ich mich von einem Flug-Angebot in einem Newsletter einer Airline verleiten, dorthin zu reisen. So musste in relativ kurzer Zeit einiges vorbereitet werden, allen voran galt es, die Nachtzüge vorab zu buchen. Das stellte sich als nicht trivial heraus, da man dazu eine Amex sowie eine indische Telefonnummer benötigte. Nach etwas herumfragen und Telefonaten mit indischen Callcentern war ich tatsächlich freigeschalten und konnte mich an die Routenplanung machen.

Mit dem Zug durch Rajasthan

Unsere Reise begann in Delhi. Einvernommen von einer anderen Welt galt es, sich auf die unbekannte Kultur einzulassen. Dabei wurde das Rote Fort, eine ehemalige Festungsanlage, die Jama Masjid, Indiens größte Moschee mit Platz für über 25.000 Gläubige, und das India Gate, ein 42 Meter hoher Triumphbogen, besichtigt.

Mit dem Nachtzug erreichten wir Bikaner, einer Stadt am Rande der Wüste Thar im Norden von Rajasthan. Hier begann unsere zweitägige Kamel-Tour durch die Wüste. Neben dem gemütlichen Dahinschaukeln auf dem Rücken der Wüstenschiffe war die Übernachtung unter freiem Himmel ein Höhepunkt. Versorgt wurden wir dabei mit lokalen Speisen unserer indischen Führer.

Unser nächste Unterkunft war ein Hotel im Fort von Jaisalmer. Die Wüstenstadt ist geprägt von Häusern, die aus gelb-braunem Sandstein erbaut wurden, im Speziellen den Havelis, den alten Wohn- und Geschäftshäusern von Händlern.

Früh am Morgen erreichte unser Zug im Anschluss Jodhpur. Lässt man seinen Blick von der Festung Meherangarh über die Häuser schweifen, wird sehr schnell deutlich, warum Jodhpur als „Blaue Stadt“ bekannt ist. So wurde durch einen entsprechend farbigen Anstrich die Zugehörigkeit der Hausbewohner zur Kaste der Brahmanen gezeigt.

Über Jaipur und Fort Amber erreichten wir den Ranthambore Nationalpark, der für seine Bengaltiger bekannt ist. Während wir auf unserer ersten Pirschfahrt „nur“ einen Leoparden erspähen konnten, hatten wir am nächsten Morgen bei einer weiteren Tour mehr Erfolg. Unter waghalsigem Einsatz unseres Fahrers konnten wir aus nächster Nähe erleben, wie ein Tiger seine Beute, eine indische Gazelle, gerissen hat.

Am nächsten Morgen waren wir früh genug am Taj Mahal, um den Sonnenaufgang erleben zu können. Das Gebäude aus weißem Marmor erstrahlte im ersten Licht des Tages. Es wurde als Mausoleum für die Liebe eines Großmoguls auf einer 100 x 100 Meter großen Marmorplatte erbaut.

Die nächste Station war Varanasi. Die am Ganges gelegene Stadt ist eine der ältesten Indiens und gilt als heiligste des Hinduismus. Wir konnten nicht nur Bäder im Ganges, die von Sünden reinigen sollen, beobachten, sondern auch die typischen Verbrennungen Verstorbener am Ufer des Flusses.

Abstecher nach Indiens Süden

Per Flieger ging es in den Süden, wo unser Ziel Ooty, ein Bergort auf 2250 Metern Höhe war. Zunächst unternahmen wir jedoch eine Bootsfahrt durch die Backwaters, einem 1500 km verzweigtem Wassernetz in der Gegend um Kochi. Im Anschluss fuhren wir mit dem historischen Dampfzug der Nilgiri Mountain Railway nach Ugadamandalam, kurz Ooty. Von hier ging es über Bangalore nach Mumbai.

Mumbai

Dort stürzten wir uns nochmals in das tyisch indische Getümmel. Ein Höhepunkt war das Ansehen eines Bollywood-Films im Kino. Vor dem Hauptfilm „Vicky Donor“, einer Komödie über einen Samenspender, wurde für die indische Nationalhymne unterbrochen, wofür alle Besucher aufgestanden sind und mitgesungen haben. Daneben haben wir an den Dhobi Ghats die größte Open-Air-Waschmaschine der Welt besichtigt. Das sind gemauerte Becken, wo unter anderem ein Teil der Wäsche von Mumbais Hotels und Krankenhäuser von Hand gewaschen wird. Zum Abschluss wollte ich noch meinen BigMac-Index um einen Eintrag erweitern, konnte aber nur als Ikone den Chicken Mahraja Mac ausmachen und mir schmecken lassen.

Kalender 2016

Für das Jahr 2016 steht der Wandkalender unter dem Motto Indien. Mehr Infos dazu findet Ihr hier.

Tag 1: Start um 5:39 Uhr mit dem Zug

Nach einer langen Nacht mit den letzten Vorbereitungen ginge es mit dem Zug von Ansbach ins Ruhrgebiet. Genauer gesagt nach Dortmund. Mein Glück war, dass die Umsteigezeiten nicht nur 3 oder 7 Minuten waren, sonder gemütliche 45 Minuten. Bei leider noch etwas zu viel Gepäck ist das Rad schon schwer und man trägt auch mal eine Tasche separat die steilen Stufen hinab.

In Dortmund angekommen machte ich mich bei Nieselregen auf den Weg zur Kokerei Hansa. Diese war der Grund, warum ich mich so früh morgens schon auf den Weg gemacht hatte. Die letzte Führung war um 16 Uhr, an der ich teilnehmen wollte. Ich hatte sogar vorher noch etwas Zeit selbstständig über das Gelände zu laufen. Die Führung war dank eines sehr begeisterten Führers kurzweilig und man konnte in Bereiche der Kokerei kommen, die man allein nicht besichtigen kann.

Im Anschluss wollte ich mir eigentlich einen Zeltplatz suchen, doch wurde mir von mehreren Leuten abgeraten, da in den letzten Wochen die Zahl der Überfälle (auch vor Geldautomaten) und Einbrüche nachts rapide zugenommen hat. Daher habe ich mir ein Hostel gesucht, in dem ich unterkam. Gekocht wurde dennoch wie im Zelt, es gab Reis mit Spargelsuppe.

Tag 338: Back at home

30.6.: Wieder zu Hause
Heute Nacht hatte ich nicht geschlafen, da ich Angst hatte, den Flieger um kurz vor sechs zu verpassen. So ging es zurück nach Frankfurt. Am Hauptbahnhof wurde dann als erstes das Schließfach geleert und versucht, alles aus den großen Tüten wieder reisefertig zu packen, auch wenn es nur noch ein Katzensprung ist.

Nach Hause sollte es wie auf der ganzen Reise mit öffentlich en Verkehrsmitteln gehen, d.h. kein großer Aufmarsch am Flughafen oder Bahnhof. Vor allem die letzten Kilometer von Ansbach nach Flachslanden im Linienbus, der mich 9 Jahre lang vom Gymnasium nach Hause fuhr, waren speziell.

Blickt man zurück meint man, erst von hier gestartet zu sein, um dann aber im selben Moment festzustellen, was für ein Riesenglück man hat eine solch riesige Menge an einzigartigen Momenten erlebt zu haben.

Ein Riesenglück war es dann auch, zu Hause meine Familie wieder zu sehen und endlich aus den fast schon vollständig durchgewetzten Schuhen zu schlüpfen.

Fotos findet Ihr im Album Back at Home

Tag 74-89: Unterwegs mit dem Zug in Japan

9.10.: Drei der wohl krassesten Achterbahnen auf einmal im Fujikyu
Heute sollte eigentlich eine Fahrradtour mit Leila anstehen. Doch schon als wir beschlossen, nur mal kurz am Freizeitpark vorbei zu sehen, war mir klar, dass das wohl auf einen Besuch hinauslaufen wird. Vom Bus aus hatte der Park eher den Eindruckt erweckt, doch schon recht alt zu sein und keine große Attraktion zu haben, außer eine traditionelle Achterbahn, denn die überragte eigentlich alles. Doch wie kann man sich täuschen. Klar – diese Bahn war immens, denn sie war ja auch die größte der Welt (zumindest beim Eintrag ins Guinnesbuch der Rekorde damals 2006). Also sind wir gleich mal in diese Bahn, die King of Coasters, die Fujiyama, gegangen. Und was soll ich sagen? Es war die längste mit knapp vier Minuten sowie die höchste mit einer Starthöhe von 78 Metern. Zwar hatte sie keinen Looping, doch auch so wurde die Fahrt nie langweilig. Danach wollten wir gleich mal die rote ausprobieren. Mit rote war die Eejanaika (www.eejanaika.jp) gemeint. Der Waggon sah aus wie eine Spinne. Auf jeder Seite saßen zwei Personen auf sitzen, die drehbar waren. Momentan gibt es nur ein paar 4D-Achterbahnen weltweit. Nach 110 Minuten warten im Schatten, was uns hatte echt etwas frieren lassen, durften wir den Korridor zur Vorbereitung betreten. Als erstes wurden wir auf den Rücken gedreht und so nach oben gezogen. Dass oben eine kleine Delle auf uns wartete wusste ich bereits, denn das vom Bild her zu sehen gewesen. Was dann geschah, kann ich hier gar nicht in Worte fassen, denn es war einfach unbeschreiblich. So sind wir einen Looping von oben angefahren, haben uns dann aber so gedreht, dass wir mit dem Kopf voraus wieder rausgekommen sind. Unglaublich. Manchmal habe ich gar nicht gewusst wo ich war. Nach dieser Fahrt haben mir echt mal die Worte gefehlt. Und das soll was heißen. Nach dem Essen sind wir in Richtung der World Bucchigiri Coaster Dodonpa gegangen. Das ist eine Bahn, wo man in kürzester beschleunigt wird. Auch hier mussten wir über eine Stunde anstehen. Leider stimmten die Zeiten. Naja, irgendwann war es dann soweit und wir saßen in der Bahn. Auch hier musste ich meine Brille wieder abnehmen. Dabei ging es doch nur vorwärts. Auf der Startposition wurde dann der Countdown von 3 gezählt und dann ging es los. Wir wurden mit 4,25 g beschleunigt auf 172 km/h!!! Das war von 2001-2003 die schnellste Achterbahn der Welt. Nach der Geraden ging es in eine steile Rechtskurve. Dann wurden wir gerade hoch gefahren, Auf dem Bogen in der Luft hatten wir viel Airtime. D.h. wir waren wie schwerelos. Es fühlte sich echt lange an und irgendwie leicht komisch. Irre! Ich hätte hier noch Wochen verbringen können.

10.10.: Spaziergang und Onsen
Heute stand nur ein kleiner Spaziergang um den Lake Kawaguchiko an. Leider hat sich der Fuji mal wieder nicht von seiner Schokoladenseite gezeigt und blieb wolkenverhangen. Am Abend ging es dann noch in ein traditionelles Onsen, ein japanisches Bad. Als erstes muss man sich mal gründlich mit allen möglichen Shampoos waschen. Deren Sinn hatte ich nicht so ganz verstanden, denn so weit war mein Japanisch noch nicht. In welches Becken man dann als erstes geht wusste ich nicht und bin erstmal in ein leeres gegangen. Nachdem das mit dem Stadtblick irgendwann langweilig wurden, ging ich in eine Sauna mit 96°C. Mann hat es mir da den Dampf rausgehauen, und zehn Minuten können echt lange sein.

11.10.: Goldener Pavillion in Kyoto
Heute habe ich das erste Mal den Zug genommen und habe meinen Railpass für die nächsten zwei Wochen gestartet. Ziel war Kyoto und dort das gebuchte Hostel. Immerhin hatten sie eine kleine Beschreibung reingestellt, so dass ich zumindest an der richtigen Stelle ausgestiegen bin. Doch leider hatte ich es nicht sofort gefunden und musste in einer Wäscherei fragen, ob ich mal kurz telefonieren dürfte, damit jemand rauskommt und winkt, denn die Straße war ja richtig. Ohne Japanisch ist das echt nicht so einfach, hat aber gut geklappt. Nach dem Abladen ging es zum Goldenen Pavillion, der von hier aus zu Fuß erreichbar war. Drinnen dann standen Massen an einer Stelle, um von sich, von anderen und einfach so von dem Teil zu machen. Von dort ging es in die Stadt, um kurz irgendwo ein Internetcafe zu finden. Nach einigem Suchen wurde ich fündig. Nach einer Stunde bin ich zu Fuß zurück zum Hostel, was insgesamt eineinhalb Stunden gedauert hat. Immerhin konnte ich so in Ruhe Sushi einkaufen zum Abendessen.

12.10.: Nara
Gestern Abend hatte ich geplant, noch einiges in Kyoto anzusehen. Doch irgendwie hab ich mich dann kurzfristig entschieden, nach Nara zu fahren. Warum weiß keiner, ich auch nicht. In Nara ging es dann in den Park, wo Rehe zum füttern herumlaufen. Eigentlich in der ganzen Stadt, aber vor allem hier. In dem Park steht der Todaiji-Tempel, das wohl größte Holzhaus der Welt. Und was stand drinnen? Natürlich, ein Buddha. Meine Begeisterung war also grenzenlos und ich ging weiter. In einem nächsten Schrein wollten sie wieder Extra-Eintritt, doch ohne mich. Zurück in Kyoto habe ich mir dann noch die Zugreservierungen (für Railpassbesitzer kostenlos) für morgen geholt.

13.10.: Himeji Castle und Fahrt nach Nagasaki
Heute bin ich richtig früh aufgestanden, um meinen Bus zu erwischen, der mich zum Bahnhof bringen sollte, doch war so viel Verkehr, dass ich meine Reservierung nicht wahrnehmen konnte und den nächsten Zug nehmen musste. In Himeji angekommen sah man schon vom Bahnhof das Schloss. Das habe ich natürlich besichtigt, ebenso wie den Garten nebenan. Fertig damit konnte ich wieder mit meiner Reservierung weiterfahren. Nach einem Zug- und Inselwechsel kam ich gegen Abend in Nagasaki an. Im Hostel habe ich dann auf Michael gewartet, der einen Zug später ankam. Danach gingen wir in einem Japanischen Restaurant essen und fragt bitte nicht, was in dem Essen war. Ich weiß es einfach nicht, schien aber von Allem ein bisschen zu sein.

14.10.: Sightseeing in Nagasaki
Ganz groß in Nagasaki ist natürlich alles um die Bombe. So haben wir verschiedene Plätze und Museen besucht, wie den Peace Park, das Hypocenter und zur Memorial Hall. Interessant war, dass man dort mit keinem Wort irgendwie über die Bombe bzw. deren Abwurf geschimpft hätte. Danach holten wir uns ein Essen zum Mitnehmen und saßen uns auf ein Mäuerchen. Gerade als ich fertig war und umherblickte, sah ich einen Autofahrer, der mir subjektiv zu alt vor kam. Just in diesem Moment machte dieses Auto ein komisches Geräusch. Gerade so, als würde man im Leerlauf aufs Gas drücken. Hat er wohl auch. Denn er fuhr ungebremst in eine Reihe stehender Roller, was ganz schön krachte. Er schien etwas verwirrt, war er wohl auch. Am Abend gingen wir mit unseren Hostel-Eltern zu einem Traditionellen Event, wo ein paar Leute Bambusstangen hoch klettern, dabei Kunststückchen machen und als Highlight ein lebendes Huhn ins Publikum werfen. Unglaublich. Dafür werden sie dann bejubelt.

15.10.: Fahrt nach Aso
Nach einem frühen Aufstehen ging es recht gemütlich mit der Bahn in Richtung Aso. Dort sind wir dann in die Jugendherberge gegangen, die wohl vor 35 Jahren und mehr mal auf dem aktuellen Stand war. Dort haben wir einen 70jährigen getroffen, heute 26 km in vier Stunden gelaufen zu sein. Er hätte seine Medikamente wohl regelmäßiger nehmen sollen. Denn schon allein, was man vom Hostel aus sah, konnte man einschätzen, dass das selbst für Leute in unserem Alter schier unmöglich erschien. Er wollte auch noch auf den Fuji. Nachdem ich ihm kurz von meiner Story erzählte, musste er erstmal ins Dorf Emails schreiben.

16.10.: Besteigung Naka Dake und Taka Dake
Als wir heute mit dem Bus am Parkplatz vom Naka Dake ankamen, mussten wir leider feststellen, dass er wegen zu viel Schwefelgehalt in der Luft geschlossen war. Wo anders hätte man die Touris einfach rauf gejagt. Also wollten wir wo anders hinlaufen. Doch schon nach kurzem merkten wir, dass jetzt die Schranke offen war und wir hoch konnten. Also gingen wir zurück. Vom Parkplatz hätten wir auch die Seilbahn nehmen können. Der Witz daran war, dass die Seilbahn gerade mal zwei Säulen hatte und wir die Strecke in guten zehn Minuten gelaufen waren. Nachdem wir mit den anderen Touris in den Krater geguckt hatten, machten wir uns daran den Taka Dake zu besteigen, der sich hinter dem See befand. Auf dem richtig gut mit Entfernungsangaben beschilderten Weg konnte man endlich mal normal durch die Natur wandern. Herrlich. Von dort sind wir dann einen anderen Weg ins Tal hinab gegangen. Dort gab es eine zweite, richtige Seilbahn. Leider aber keinen Bus oder so. Immerhin haben uns dann zwei Mädels mitgenommen und sogar fast bis nach Aso gefahren.

17.10.: Floating Tori in Myajima
Heute hat der Wecker unerbitterlich früh geklingelt und ich musste raus, um den einzig sinnvollen Zug für mich zu erwischen. So machte ich mich auf den Weg nach Hiroshima. Im Hostel wurde mir geraten, gleich heute nach Myajima zu fahren, da es mit Ebbe und Flut gut passen würde. Also habe ich mich auf den Weg gemacht. Die Fähre vom Bahnhof auf die Insel war auch schon im Railpass dabei, prima. Dort angekommen bin ich direkt zu dem Teil, das ich dort einzig sehen wollte: Das Floating Tori. Dort konnte man dann immer näher ran gehen, da das Wasser gerade zurück ging. Da ich durch noch ca. 3 cm Wasser gewatet bin, konnte ich noch ein Foto ohne so viele Leute machen. Danach war’s überfüllt. Zurück im Hostel konnte ich noch umsonst Wäsche waschen, da das Hostel erst vor zwei Wochen eröffnet hatte und anscheinend noch im Testbetrieb war.

18.10.: A-Bomb-Dome in Hiroshima
Heute stand der Besuch des Museums in Hiroshima an. Der A-Bomb-Dome sind die Überreste eines Hauses, das die Atombombe erlebte. Das Museum fand ich nicht so spannend wie das in Nagasaki. Nach dem Einkaufen für die lange Zugfahrt nach Sapporo machte ich mich auf den Weg zum Bahnhof.

19.10.: Sapporo Winter Sports Museum
Kurz nach sechs Uhr morgens ist der Zug in Sapporo angekommen. Der Bus zum Sapporo Winter Sports Museum fuhr erst um einiges später und so vertrieb ich mir die Zeit ein wenig. Dort wollten sie mich erst nicht zur Schanze lassen, da dort ein Jugend-Wettkampf stattfand, wo man normalerweise Eintritt zahlen muss. Doch irgendwie kam ich doch ohne zahlen rein. Ausgestattet mit ein paar Broschüren und Adressen von Unterkünften nahm ich den Zug nach Kushiro. Dort angekommen war keine der Unterkünfte tauglich. Alle möglichen kosteten mehr als das doppelte. Es gab eine Unterkunft, die erschwinglich war. Eine nette Japanerin, die etwas Englisch sprach rief dort an. Die Dame am anderen Ende bot sogar an, mich abzuholen. Geschlafen habe ich letztendlich wohl in so was wie einer Motorradfahrer-Pension. Aber kein Thema, es war günstig, sauber und es gab warmes Wasser.

20.10.: Norokko-ko und Übernachtung im Internetcafe
Heute Morgen hat mich die Dame sogar wieder zum Bahnhof gefahren, damit ich den nächsten Zug nehmen konnte. Das war heute der Norokko-ko. Das ist so ein Aussichts-Zug, wo man einen guten Überblick über die Landschaft haben soll. Nachdem die Landschaft, das Wetland, schon nicht mehr grün, sondern eher wie bei uns zu Hause ausgesehen hat, nur noch nicht so farbenprächtig, war mir das zu langweilig. Zum Wandern war mir die Sonne schon zu niedrig und die Bahnhöfe sahen hier nicht so aus, als hätten sie Locker für die Taschen. Also habe ich mir eine Verbindung zurück ausgesucht. Zum Glück früh genug und so konnte ich dann in Kushiro noch den früheren Zug nach Sapporo nehmen. Dort lief ich dann etwas durch die Stadt und kam an einem Einkaufszentrum vorbei. Zufällig habe ich einen adidas-Shop gesehen und den musste ich mir natürlich ansehen. Beim Umsehen sah ich plötzlich eine Club-Mütze (eine Mütze mit dem Logo vom 1. FC Nürnberg für Fremde…). Unglaublich, wenn mir das einer gesagt hätte. Dem Japaner versuchte ich zu erklären, dass das mein Lieblings-Verein zu Hause ist. Naja, er hat mir dann eher ein weiteres Shirt gezeigt. Das lag unter Club-Taschen zwischen Liverpool, HSV und RedBull Salzburg Shirts. Irre. Die Nacht habe ich dann in einem Liegesessel in einem Internetcafe verbracht. Zum einen weil der Lonely Planet keine gute Unterkunft hergab, zum anderen weil es gleich neben dem Bahnhof war und schließlich, weil es günstiger war als ein Hostel.

21.10.: Sapporo Dome
Nach einer erholsamen Nacht im Schlafsessel des Internetcafes ging es dann zum Sapporo Dome. Da ist ein Stadion, das sich von einem Baseball-Feld in ein Fussballstadion verwandeln kann und wurde für die WM 2002 gebaut. Da drin gibt es eine Aussichtsplattform, die 53 Meter über dem Boden ist. Der Fussballrasen lässt sich auf einem Luftkissen rein- und rausfahren. Am Nachmittag ging es dann auf das Universitätsgelände von Sapporo, wo eine herrliche Ginko-Allee in herbstlichen Farben geschimmert hat. Am Abend gings dann mit dem Schlafwagen wieder zurück in Richtung Tokyo.

22.10.: Nikko
Nachdem ich gegen Mittag irgendwann endlich in Nikko angekommen war, ging es gleich in Richtung der Tempelanlagen. Es sind zwar recht viele und prächtige Tempel dabei, doch interessiert habe ich mich eigentlich nur für ein Bild. Das „Hear no evil. Speak no evil. See no evil.“ Die drei Affen halt ;-). War echt schön, das live zu sehen. Hab mir auch das andere angesehen, hat mich aber nicht so fasziniert.

23.10.: Shibuya Crossing
Heute habe ich nicht wirklich viel gemacht. Ich habe ausgeschlafen und bin dann noch zum Herumschlendern in die Innenstadt gefahren. Dort habe ich der Shibuya Crossing einen Besuch abgestattet. Das ist wohl die belebteste Kreuzung in Tokyo und jeder hat sie wohl schon mal auf einem Foto oder so gesehen, weiß aber nicht, das es genau diese ist.

24.10.: Fischmarkt
Heute Morgen ging es ohne wirklich geschlafen zu haben mit einer der ersten U-Bahnen zum Fischmarkt. Leider waren die Versteigerungen schon vorbei und man konnte nur noch normalen Verkauf beobachten. Die Vielfalt war schon immens und einiges sehr blutig. Danach ging es zurück ins Hostel, um das Gepäck zu nehmen und zum Flughafen zu fahren. Beim Check-In musste ich feststellen, dass mein Gepäck sich von 17 kg, mit denen ich zu Hause gestartet bin, auf 24 kg erhöht hatte. Warum? Weiß ich nicht.

Bilder für Japan findet ihr hier.

Tag 59-65: Tibet Teil 2

24.9.: Everest Base Camp wir kommen!
Heute ging die Fahrt dann in Richtung des Everest. Auf dem Weg dorthin wurde die Landschaft immer karger und unbewohnbarer. Beim Passieren der Schranke, wo man die Tickets für den Nationalpark kaufen kann, wurden wir gefragt, ob wir einen Chinesen mitnehmen können. Nach kurzem Überlegen haben wir ihn mitgenommen, was sich als Glücksgriff herausstellen sollte Die Straße, bzw. die Schotterpiste, war extra für den Fackellauf der Olympischen Spiele neu gebaut worden Zu erahnen wie es zuvor gewesen sein muss, konnte ich nur beim Betrachten von alten Abschnitten, die neben der neuen verliefen. Als wir am Checkpoint beim Rhongbuk Kloster angekommen waren, wurde uns die Weiterfahrt ins EBC erst verweigert, da unser Permit diesen Eintrag EBC vermissen ließ. Doch da kam unser Chinesischer Weggefährte ins Spiel. Er arbeitete für das Militär und erzählte seinen Kollegen, dass der Guide seine Cousine sei und er Verantwortung für die Gruppe übernehme. Das war echt mal ein netter Zug gewesen und so konnten wir weiterfahren. Gestoppt haben wir dann rund 100 m unterhalb des richtigen Base Camps in einer kleinen Zeltstadt. Von hier bin ich am Abend schon mal hoch gelaufen, da ich mein Glück versuchen wollte, was aber erfolglos war, da sie selbst für ein Foto alle Papiere sehen wollten, sofern man kein Chinese ist. Kurz vor dem Abendessen hatte es dann begonnen, leicht zu schneien. Nach ein paar Nachfotos von einem mir bis dato so Sternenklaren Himmel und einem breiten weißen Band der Milchstraße ging es in das Zelt zum Schlafen.

25.9.: Everest gesehen und dann gemütlich stecken geblieben
Heute Morgen ging es dann mit unserem Guide und allen Papieren zum Basecamp. Diesmal kam ich auch weiter als bis zum Militärzelt. Aber das was danach kam, war eigentlich nur Leere. Denn der Platz, wo normal die Zelte stehen war völlig verweist und kein einziges Zelt da. Auch durfte man nicht weiter gehen, denn dann kam sofort ein Wachtmeister angerannt. Auch den Everest konnten wir zuerst nicht sehen, denn die dichten Wolken ließen es nicht zu. Immerhin konnten wir dann einen kurzen Blick durch die Wolken werfen, wo wir die Spitze sehen konnten. Danach ging es weiter nach Old Tingri. Doch auf dem Weg dorthin waren noch so einige Hürden zu meistern. Da ging es zuerst in ca. 4800 m über Schotterflächen, wo kaum eine Piste zu sehen war. Das war so lang OK, bis uns der erste Reifen geplatzt war. Der wurde von unserem Fahrer fix gewechselt und es konnte weiter gehen. Als wir dann schon fast am Ziel waren, mussten wir in einem Ort eine Umgehung fahren, da dort im ganzen Dorf Stroh zum trocknen aufgestellt war. Doch irgendwie wolle da unser Mini-Van, der eben kein Allrad-Auto war nicht so mitmachen und blieb stecken. Zuerst versuchten wir, den Wagen selbst wieder flott zu bekommen. Vergebens. Dann hat unser Guide im Dorf einen Trecker mit einem Einheimischen geholt. Doch selbst das war noch nicht genug und so musste sie noch mal los, um mehr Verstärkung zu holen. Dann kam ein ganzer Trupp mit Schaufeln und befreite das Auto nach mehreren Versuchen. Das hat dann insgesamt so rund 2 Stunden gedauert. Einige Meiner Mitfahrer wurden immer mehr angepisst. Warum kann ich nicht nachvollziehen, denn wer das billigste Auto bucht und keinen Allradantrieb wählt, sollte sich nicht beschweren, auch nicht über das „Hüpfen“ auf der Rückbank durch die wellige Straße. Vielleicht ist ihnen aber auch nur etwas nicht so gut bekommen – sei es das Essen oder die dünne Luft ;-). Ich empfand das Ganze als großes Abenteuer, denn bequem im Jeep dahindösen kann ich auch zu Hause.

26.9.: Fahrt mit Hindernissen
Heute sollte unser Ziel Zhangmu, der Grenzort am Friendship Highway nach Nepal sein. Doch auch heute gab es einiges zu erleben. Das fing schon damit an, dass ich früh morgens schon aufgestanden bin, um noch vor der gemeinsamen Abfahrt zu einem Aussichtshügel zu marschieren, um vielleicht doch den Everest zu sehen. Nach eisigen drei Stunden war es dann auch soweit und er zeigte sich, wenn auch nicht ganz so klar. Auf der Fahrt gab es dann wieder überwältigende Ausblicke zu genießen. Natürlich sollte das nicht alles bleibe. Als wir nach einer der paar Wasserdurchfahrten, zu denen wir schon sicherheitshalber heute ausstiegen, wir wieder einsteigen wollten, fiel mir der doch recht platte Reifen auf. Super! Natürlich kamen wir gestern so spät an, dass in dem Mini-Örtchen kein Reifen-Reparier-Laden (falls es hier so was überhaupt gab) offen hatte, und wir jetzt keinen Ersatzreifen hatten. Also was blieb uns so weite von Zivilisation entfernt anderes übrig, als weiterzufahren? Nichts. Das ging dann so lange gut, bis sich mit einem Knall auch noch die Karkasse verabschiedet hat und wir nur noch auf der Felge fuhren. Wir sind dann bei anderen eingestiegen, um ins nächste Dorf zu kommen und dort zu Essen und auf unseren Fahrer zu warten, bis er das reparierte Auto vorm Restaurant vorfährt. Die letzten 30 km mussten wir ewig langsam zurücklegen, da es viele Höhenmeter hinab ging wo es begonnen hatte viel zu regnen. Dementsprechend war auch die Straße der Freundschaft gewesen: Erdrutsche und Felsstürze säumten den Wegesrand und machten mich nicht wirklich zuversichtlich. Schließlich sind wir nachts in Zhangmu angekommen.

27.9.: Erster Rückfahrtag der Fahrt zurück nach Lhasa
Heute wurden die anderen im Hotel zurückgelassen, denn sie wollten selbst zur Grenze kommen. Also fuhren mein Guide, der Fahrer und ich uns auf den Weg zurück nach Lhasa. Anscheinend ist es bei denen Mode, Leute da mit zurück zu nehmen, um sich so etwas hinzu zu verdienen. Erst saß einen Frau mit im Wagen, später noch zwei Männer. Und im Prinzip hatte ich den Wagen bezahlt. Irre, oder? Bei unzähligen Checkpoints, die wir schon auf der Hinfahrt passiert hatten, musste ich jedes Mal mich mit Reisepass vorstellen. Natürlich sollte auch heute wieder etwas mit unserem Wagen passieren. So wurde heute ein Reifen bei rasanter Fahrt über eine Hochebene geschrottet. Aber wir hatten heute ja Ersatz. Nach langer Fahrt kamen wir spät nachts in Shigatse an, wo wir für die Nacht bleiben sollten.

28.9.: Zum Abschied noch mal Yak
Nachdem es heute schon recht bald los ging, kamen wir in Lhasa an, wo mein Hotel erstmal ausgebucht war. Dann sollte ich eines weiter weg vom Zentrum bekommen, wo ich aber Einspruch einlegte, da ich nicht im Nirgendwo sitzen wollte ohne Laden zum Einkaufen für die morgige Zugfahrt. Also wurde schnell umdisponiert. Nachdem ich genügend Essen für die 36-stündige Fahrt nach Xi’an besorgt hatte, ging ich mit meinem Guide noch einmal typisch tibetisch essen, was aus Yak, Curry-Reis und Kartoffeln bestand. Den Buttertee hab ich nicht angerührt.

29.9.: Zurück nach Golmud
Heute sollte also schon um 8:30 Uhr Abfahrt sein, was mal wieder früh aufstehen hieß. Die Kontrollen am Bahnhof waren für mich als Westler heute mal echt relaxed. Ich musste nix auspacken, nirgends anstehen und wurde sogar in bevorzugt durchgewunken. Das hätte ich nicht erwartet. Vielleicht wollten sie mich auch nur so schnell wie möglich aus Tibet raus bekommen? Nachdem ich den Gesundheitszettel ausgefüllt hatte, durfte ich mich auch in den Zug begeben, wo ich erstmal bis zum Abend alleine in der Kabine wohnen sollte. Heute sollte die Zugfahrt mir also Gebiete zeigen, die ich bei der Hinfahrt noch nicht gesehen hatte. Schon beim Einsteigen habe ich zwei Kanadier getroffen, mit denen ich dann abends Karten gespielt habe und ihren letzten Rest Wodka mit Ahornsirup vernichtet habe.

30.9.: Letzte Zugfahrt in China
Die Zugfahrt machte natürlich genauso wie gestern wieder viel Spaß und ich genoss die Aussicht. Das konnte ich solange machen bis irgendwelche Chinesen anfingen mein Territorium zu belagern – damit kannten sie sich anscheinend aus. So kam eine Oma mit ihrem Enkel. Dieser war anscheinend noch nicht ganz stubenrein, da sie ständig ihn kontrollierte, ob das was durch den Schlitz der Hose kam. Super. Sie selber fing dann auch noch an – nachdem sie eingepennt war – zu schnarchen und dabei zu furzen. Na super. Dass ich froh war, als sie die Kabine wieder verließ, brauch ich, glaube ich, nicht noch extra zu erwähnen. Gegen halb neun abends kam ich dann in Xi’an an und bin mit dem Bus zum Hostel gefahren. Ein Highlight war sicher noch mein Zimmergenosse im Bett nebenan, der mitten in der Nacht das Sprechen in voller Lautstärke begann.

Bilder hierzu findet ihr im Album Tibet.

Teil 1 nicht gelesen? Hier entlang…

Tag 52-58: Tibet Teil 1

17.9.: Platzende Plätzchen
Nachdem wir gestern um halb neun Abends gestartet waren, verbrachten wir heute den ganzen Tag im Zug. Nur einmal bin ich kurz ausgestiegen, um Äpfel bei einem Händler am Bahnsteig zu kaufen. Ansonsten war heute nicht so viel los. Während der Fahrt konnte ich neben dem Genießen des Ausblicks noch etwas am PC tippen. Heute sollte es erstmal nur auf schon älteren Abschnitten in Richtung Golmud gehen. Dort beginnt ja erst der neu erbaute Abschnitt. Geplante Ankunft war irgendwann nach Mitternacht. Aufgeschreckt von mehreren lauten Knalls habe ich mich mal auf die Suche gemacht, woher das kam. Es waren die Verpackungen der Kekse, die explodiert waren. So war der Druckunterschied schon unterhalb von 3000 m so groß, dass die Verpackung nicht mehr mitgespielt hat. Die Chips von Robert waren dem Platzen schon nahe, wollten aber noch nicht und wir haben sie zur besseren Kontrolle auf dem Tisch stehen gelassen.

18.9.: Endlich in Lhasa angekommen
Peng! So sind alle im Abteil gegen halb drei aufgeschreckt, denn die Tüte Chips war endlich explodiert. Nachdem dieses Experiment abgeschlossen war, schliefen die anderen weiter, ich jedoch habe gewartet bis wir endlich in Golmud angekommen sind, um die Koordinaten zu bekommen. Da der Zug Verspätung hatte (oder ich einen alten Plan) war ich noch lange wach. Am Morgen dann konnten wir endlich den Ausblick auf die neue Strecke des Tibet-Express genießen. Auf der Fahrt selber gibt es eigentlich keinen speziellen Punkt, der interessant ist. Es ist vielmehr die gesamte Fahrt und die Landschaft in über 4000 m Höhe. Blöd ist nur, dass sich die Fenster wegen dem innen zugeführten Sauerstoff nicht öffnen lassen. Für die Extremfälle werden auch Headsets mit direkter Sauserstoffzufuhr ausgeteilt. Irgendwann gegen Mittag haben wir dann einen längeren Stopp auf über 4700 m gemacht. Als ich dort mal kurz über den Bahnsteig gerannt bin, hatte ich die dünne Luft schon gemerkt, war ich ja noch nicht akklimatisiert. Am Abend sind wir dann in Lhasa angekommen und der Verkehr war sehr erholsam. Hier war ja eigentlich nix los, wenn man aus einer Großstadt kommt. Dann ging es ins Hotel, das wir gebucht hatten. Das waren dann halt die Doppelzimmer in dem Youth Hostel. Aber die waren soweit in Ordnung.

19.9.: Potala Palast und Jokhang Tempel
Heute sollte uns unser Führer um halb elf abholen, um mit uns den Potala Palast zu besichtigen. Doch wir haben uns mit der Gruppe schon viel früher getroffen, um schon am ersten Tag ohne unseren etwas planlos wirkenden Guide, eine 19-jährige Tibeterin, allein durch die Straßen zu gehen. Solange wir keine Free Tibet-Fahne herauszogen sollte es auch kein Problem sein. Und so war es auch. Uns hat keiner gefragt, wo unser Guide ist, ohne den man ja angeblich nix machen kann. Scheint aber in Lhasa nicht so zu sein. Vom Potala Palast war ich dann doch etwas enttäuscht. So sieht man ihn erhoben über der Stadt aufragen. Ich dachte, er hätte mindestens eine große Empfangshalle. Aber der Raum, in dem der Dalai Lama früher Gäste empfing ist doch recht aufgeräumt. Nach dem Mittagessen, das typisch tibetisch gewesen ist, ging es in den Jokhang Tempel. Der war auch schön anzusehen, doch ich habe schnell festgestellt, dass ich mit weiten Landschaften auch hier mehr anfangen kann, als mit Museen und Tempel. Gehört hier aber auch auf jeden Fall dazu.

20.9.: Wandern am Namtso Lake
Heute besuchten wir den Namtso Lake, einen der drei heiligen Seen in Tibet. Mit unsrem Mini-Van. Mit einem Speed-Permit, das kontrolliert, ob man zu schnell fährt, ging es dann entlang der Eisenbahnstrecke in Richtung Norden. Nach einer doch recht langen Bergauffahrt, konnte ich endlich schneebedeckte Berge sehen. Kurz darauf erreichten wir den Pass auf 5200 m. War ganz schön windig da. Im Kloeingang lag sogar noch Altschnee. Unser als Trek angepriesener Ausflug wäre ein Spaziergang über 30 km entlang der Straße gewesen. Irre, das als so was zu verkaufen. Aber wir sind dann eigenmächtig einfach mal quer über die Wiese gelaufen, ohne zu wissen, wohin es ging. Während dann manche an zu breiten Gräben gescheitert sind und den gleichen Weg zurück mussten, trafen wir unterwegs ein paar Kinder, deren Familie uns dann in ihr Zelt eingeladen hatte. So gab es dort leichten Buttertee und Yak-Darm zu Essen. Super Kombination. Als wir dann am See selbst angekommen waren, ging es einigen unserer Gruppe nicht mehr so gut, was wohl etwas mit der Höhe von 4700 m zusammengehangen hat, und wir konnten nicht so lange wie gedacht am See verweilen. Für einen kurzen Spaziergang auf einen Aussichtshügel hat es noch gereicht und ich konnte meinen Blick über den türkisfarbenen See schweifen lassen. Nachdem wir am Abend zurück in Damshung und rund 500 m tiefer waren, besserte sich der Gesundheitszustand der angeschlagenen und es gab Nudeln. Lecker.

21.9.: Tibetisches Drama – ein Drama!
Heute standen eigentlich auf der Rückfahrt nach Lhasa heiße Quellen an. Da dort aber gleich nebenan eine neue Fabrik eröffnet hat, sollen die paar heißen Wasserteile dann an Charme verloren haben. In Lhasa selbst stand nichts auf dem Programm und ich musste mich darum kümmern, wie ich am Ende meiner Reise aus Lhasa rauskomme. Flug war mir zu teuer gewesen und außerdem mag ich Zugfahrten mit mehr als 24 Stunden. Und so entschied ich mich, auch wieder mit dem Zug zurückzufahren. Am Abend hatten wir dann noch ein Tibetisches Drama gebucht. Das war es dann auch. Es war eine typische Touri-Veranstaltung. Natürlich waren auch Deutsche dort und Franzosen. Zum Glück wurde ich nicht als Deutscher hier erkannt und angesprochen. Beim Buffet habe ich dann mal so richtig zugeschlagen, schließlich musste ich den Preis ja irgendwie rechtfertigen. Die Aufführung selbst war eher ein Witz gewesen, wo irgendwelche Kellner sich ein Tuch überwarfen, an einer Klampfe zupften und (ich nehme mal an) der Koch dazu sangen. Dann haben die Bedienungen getanzt und der Höhepunkt war ein daher gehoppeltes Yak. Na spitze. Wenigstens war ich satt.

22.9.: Flucht vor aufdringlichen Verkäufern
Heute ging es zum nächsten heiligen See, dem Yamdroktso Lake. Auf dem Weg dorthin sollten wir auch wieder über einen Pass mit mehr als 5000 m Höhe erreichen. Oben angekommen kamen noch bevor der Fahrer den Motor ausmachen konnte eine Horde Tibeter angerannt, die uns allen möglichen und unmöglichen Kram andrehen wollten. Die haben an den Türen geklopft und an den Scheiben gekratzt. Unsere Einhellige Meinung war: Scheiß auf Fotos und nix wie weg. Also ging es unverzüglich weiter, zum Erstaunen unserer einheimischen Begleiter. Der nächste Stopp war dann viel gemütlicher, wir hielten nämlich bei einem einsamen Bauern und seinem Yak. Er bot Yak-Reiten an. Was soviel hieß, er hielt das Yak, man stieg drauf und dann drückte jemand auf den Foto. Hat auch prima geklappt, wie ihr sicher schon gesehen habt.

23.9.: Flucht vor dem Essen
Heute machten wir in Shigatse einen Zwischenstopp bei einem Kloster. Leider war das Fotografieren und Filmen verboten – außer man kaufte sich eine Lizenz für mehr als 150 Euro – pro Tempel. Und es gab vier hiervon. Mittagessen wollten wir dann, wie schon oftmals zuvor, in einem kleinen Restaurant an der Straße. Uns kam beim Bestellen schon komisch vor, dass die Bedienung gleich nach nebenan lief. Wir dachten, sie kochen halt gemeinsam mit dem Nachbarrestaurant, was durchaus mal vorkommen kann. Doch nachdem wir nach 35 Minuten noch immer unser doch recht einfaches Essen nicht hatten wollten wir gehen. Doch urplötzlich kam auch schon die Dame mit dem Tablett. Doch das was da drauf war, war alles andere als das, was wir bestellt hatten. Wir hatten gebratenen Nudeln geordert und keine Suppe. Noch dazu schien der Salat schon mehr als 5 Tage alt gewesen zu sein. Also verließen wir ohne zu zahlen das Restaurant. Zwar wollten sie die Polizei holen und versuchten das auch, doch das ließ die kalt und wir gingen in ein anderes Restaurant. Am Abend waren wir dann auch in Lhatse angekommen, wo unser Hotel seine besten Zeiten wohl vor ca. 30 Jahren hatte.

Teil 2 von Tibet – hier geht’s weiter…

Fotos hierzu findet ihr im Album Tibet.

Tag 48-51: Faule Pandas und ein Riesenbuddha auf dem Zwischenstopp

13.9.: Einsame Zugfahrt
Heute sollte also meine zweite Zugfahrt in China stattfinden. Und das nicht nur mal über Nacht, sondern satte 25 Stunden. Eingedeckt mit allerhand Nahrung machte ich mich auf den Weg zum Bahnhof. Verwundert hat mich, dass keiner mehr in mein Softsleeper-Abteil mehr gekommen ist. War mir auch recht. Aufgeregt hat mich allerdings, dass die Steckdose nicht wollte und ich daher auf Handarbeit und dem Stift greifen musste. Die Zeit verging auch so ganz schnell und schon bald brach die Nacht herein. Zum Abendessen gab es das erste mal eine Instant-Nudelsuppe. Geschmacklich für den Preis OK. Heißes Wasser gab es ja immer im Zug. Nett war auch der kurzfristige Stromausfall an Bord.

14.9.: Ankunft in Chengdu
Gut ausgeruht kam ich heute nach mehr als einem Tag in Chengdu an. Unterwegs war auch keiner mehr in mein Abteil zugestiegen und somit hatte ich eine ruhige Zugfahrt. Am Bahnhof wurde ich dann auf Schilder von zwei Hostels aufmerksam. Da ich wie so oft noch keine Reservierung hatte, bin ich bei dem mitgegangen, der mir den besseren Eindruck gemacht hat. So habe ich mir auch noch die Fahrtkosten und die Mühe zu laufen erspart. Das einzige was ich heute noch gemacht habe ist, dass ich in einem Computer-Center mir eine neue Festplatte zur Datensicherung geholt habe.

15.9.: Fahrt zum Riesenbuddha in Leshan
Heute musste ich mal in das Büro meiner Reiseagentur gehen, um zu bezahlen und letzte Dinge zu klären. Eigentlich hatte ich gedacht, dass ich nur einen Tag in Chengdu bin, was sich aber als Fehler herausgestellt hat. Lag wohl daran, dass der Termin sich dreimal verschoben hat und ich dann irgendwann was verwechselt habe. Immerhin war ich nicht zu spät angekommen. Da gerade erst Mittag vorbei war, wollte ich mir noch was ansehen und entschied mich für den größten sitzenden Buddha in Leshan. Mit dem Bus ging es also dorthin. Angekommen stand ich im Nichts und wollte nicht in die Fänge der Touri-Schlepper gelangen, also ging ich daran vorbei und wollte selbst hinkommen. Ist aber gar nicht so einfach, doch eine nette Chinesin hat mir die Buslinie gesagt und mir sogar die Fahrt bezahlt. Als ich dort meinen Eintritt bezahlen wollte, sah ich dass sie übermäßige Preise verlangen. Studenten sollten 60% weniger Zahlen. Also mal meinen Ausweis hervorgekramt. Besser gesagt meine Immatrikulationsbescheinigung. Doch da die kein Bild hat, wollte sie mir keinen Rabatt geben. Sie konnte nur „No Picture“. Also hab ich ihr mal meinen Personalausweis unter die Nase gehalten. Da sie ja nix verstand, hat sie wohl gedacht das wäre der Studi-Ausweis und hat gnädigerweise Rabatt gewährt. Nach einem kleine Tempel ging es die Stufen zu den Füßen des Buddhas hinunter. Unten sind mir dann die einzigen Westler aufgefallen. Irgendwie sind wir dann ins Gespräch gekommen und haben festgestellt, das wir im gleichen Hostel in Chengdu übernachten. Mit Maike aus Deutschland und Michael aus Australien wurde dann versucht, wieder nach Hause zu kommen, was nicht so einfach war. Wir haben gerade noch die letzten Tickets für den Bus bekommen. Stehplätze gibt es hier ja nicht.

16.9.: Früh aufstehen für aktive Pandas
Wenn ich so früh morgens wie heute aufgestanden bin, dann muss etwas Besonderes anstehen. War auch so. Heute ging es zur Pandaaufzuchtstation. Und da das faule Tiere sind, frühstücken sie bald am Morgen und legen sich dann für den Rest des Tages schlafen. Ich sollte meine Berufswahl noch mal überdenken. Panda wär’ doch auch was! Immerhin hat es sich ausbezahlt so früh dort gewesen zu sein, denn anderen Gruppen, die nach uns angekommen sind wurde erzählt, dass sie noch schlafen und später erst fressen. Denkste, die rühren sich heute nicht mehr. Lustig war auch der Film über die Aufzucht. Er ausgesehen wie mit einer achtziger Jahre Homevideo-Kamera gedreht und als dann das Panda-Baby zur Welt kam, steht im Untertitel, dass der Kameramann hier etwas zu spät dran war und daher es nicht aufgenommen hat. Herrlich. Dann bin ich noch Shoppen gegangen, um genügend Essen für die knapp zwei Tage dauernde Fahrt zu kaufen. Am Abend kam dann unser Organisator und hat zum Bahnhof gefahren und uns das Permit sowie die Zugtickets gegeben.

Fotos findet ihr im Album Chengdu.

Tag 41-43: Flucht mit dem Pass aus Shanghai

6.9.: Tapferes Schneiderlein
Nachdem wir am Abend zuvor einen Schneider beobachtet hatten, der Anzüge ins Hostel brachte, haben Bronja, Peter und ich uns auf den Weg dorthin gemacht. Die schier unglaubliche Menge an Stoffauswahlmöglichkeiten hat dazu geführt, dass wir über zwei Stunden für die endgültige Auswahl benötigt haben.
Danach haben wir uns aufgemacht, den Jin Mao-Tower zu besuchen. Da die Besucherterrasse im 87. Stock natürlich Eintritt gekostet hätte, habe ich gemeint, es reicht doch auch der 86. Stock und so sind wir ins Grand Hyatt gegangen, um von dort einen Blick über die Stadt zu werfen. Leider waren die Fenster nicht wirklich zum Fotografieren geeignet. Soll aber einen Stock höher nicht wirklich anders sein. Also kein Frischluftfoto. Furios war natürlich der Blick vom 85. Stock im inneren des Towers runter bis in den 53. Stock. Unglaublich.

7.9.: Mit 431 km/h durch die Stadt
Heute stand nichts auf dem Plan und so habe ich mir gedacht: „Mach ich mir mal einen gemütlichen Nachmittag und fahre mal nur Transrapid!“ Gut. Das Erlebnis hat sich natürlich auf zwei mal acht Minuten beschränkt, aber die waren echt genial. Man sitzt wie in einem Flugzeug und kann spüren, wie beschleunigt wird und man sich der Höchstgeschwindigkeit auf dieser Strecke von 431 km/h nähert. Wenn dann kurz danach der andere Zug mit einer relativen Geschwindigkeit von ungefähr 800 km/h an einem vorbeifährt, erschrickt man richtig, wenn man die Nase am Fenster hat.
Nach meiner Rückfahrt mit dem Transrapid vom Flughafen Pudong in die Stadt habe ich mich aufgemacht, einen Blick hinter die Werbe-Fassade neben der Strecke zu werfen. Dort sah man dann arme Leute ihr Leben bestreiten – ein krasser Gegensatz zur Hochtechnologie Transrapid.

8.9.: Seit heute bin ich wieder ein ganzer Reisender
Endlich habe ich nach endlosen neun Tagen meinen Pass mit dem neuen Visum zurückerhalten. Also ging es fix zurück zum Hostel, um dort meinen Flug nach Guilin zu buchen. Nach dem Buchen und noch bevor ich die E-Ticket-Nummer per Mail erhalten hatte, musste ich mich auf den Weg zum Flughafen machen. Ein Abenteuer. Dort hat zuerst alles geklappt, aber leider hat der Scanner bei all den Ladekabeln und Mäusen im Rucksack Alarm geschlagen und ich musste meine Tasche auspacken. Super das. Im Flowers Hostel habe ich dann erstmal noch Studenten-Rabatt und somit ein Zimmer für 2,50 Euro bekommen. So war es dann aber auch. Ohne Fenster, ohne Klimaanlage und übermäßig muffig. Nach einem Essen in der Stadt hielt ich es aber die fünf Stunden über Nacht darin aus.

Fotos findet ihr im Album Shanghai.